RÜCKBLICK AUF VIERZIG SCHAFFENSJAHRE, DIE FOTOGRAFISCHE OBJEKTIVITÄT HINTERFRAGEN

Das MAMC+ zeigt die erste Ausstellung des deutschen Fotografen Thomas Ruff in einem französischen Museum.

Die Retrospektive, die über vierzig Schaffensjahre umfasst, will offenbaren, wie der Künstler unermüdlich das Medium Fotografie hinterfragt und dabei eine „Meta-Fotografie“ entwickelt. Mit einer Auswahl von siebzehn Serien, darunter einer unveröffentlichten (Bonfils 2022), bietet sich ein Parcours von über hundert Werken, die eine Chronologie der verschiedenen erforschten Bildarten und technischen Verfahren zusammenstellen und gewissermaßen im Hintergrund eine Geschichte der Fotografie nachzeichnen.

Thomas Ruff beginnt Anfang der 80er Jahre mit seinen Interieur- und Porträt-Serien, als er noch Student bei Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie ist. Diese Werke sind zwar für seine Arbeit emblematisch, er hat jedoch viele andere Herangehensweisen in der Fotografie erkundet. So verwendet er ab den 1990er Jahren nur noch bestehende Fotografien, die er umgestaltet. Die Titel seiner seriellen Experimente deuten auf die unablässig erneuerte Vielfalt seiner Themen, die in der Ausstellung übernommen werden: Sterne, Pressefotografien, Nächte, Aktbilder, Porträts, mar.R.s, Fotogramme, Blumen, chinesische Bilder

Die Erforschung der Technologien des Fotoapparats und der Bildproduktion umfasst alle Arten von Fotografien und erfindet sie neu, Satellitenbilder wie digitale Werkzeuge, analoge Negative und JPEG. Für diesen Künstler, der mit Fotografie arbeitet, handelt es sich letztlich darum, die technischen Entwicklungsmöglichkeiten des Mediums und den Status der Bilder zu ergründen, mit der beständigen Frage nach der fotografischen Objektivität.

THOMAS RUFF KURZBIOGRAPHIE

1958: Geburt in Zell am Hammersbach (Schwarzwald), Deutschland
1974: bekommt seinen ersten Fotoapparat und erwirbt Grundkenntnisse der Fototechnik
1977: wird an der Düsseldorfer Kunstakademie und im Jahr darauf in der Fotografie-Klasse von Bernd Becher aufgenommen
1981: erstellt die ersten Bilder seiner Serie Porträts und beginnt, seine Werke auszustellen
1985: schließt seine Ausbildung an der Düsseldorfer Kunstakademie erfolgreich ab
1995: repräsentiert Deutschland auf der Biennale von Venedig
2001-2006: Professur an der Kunstakademie Düsseldorf
2001: Wanderretrospektive Thomas Ruff. 1979 to the Present, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
2017: Retrospektive Thomas Ruff. Photographs 1979-2017, Whitechapel Gallery, London

< Porträt von Thomas Ruff, das im Mai 2022 von Elisa Bapst und Clément Montmea mit der Kammerkamera aufgenommen wurde, © E. Bapst, C. Montmea, ENS Louis-Lumière.

KURATOR

Alexandre Quoi
Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des MAMC+

KÜNSTLERBUCH

Das MAMC+ veröffentlich ein Künstlerbuch in Form eines Leporello oder „Akkordeon-Buchs“. Es lässt sich auf etwa drei Metern auffalten und beinhaltet eine Chronologie der Verfahren und fotografischen Genres, die der Künstler hinterfragt. Auf der Vorderseite zeigt es eine Auswahl der ausgestellten Werke und auf der Rückseite die Quellen oder entsprechenden Techniken, die dabei von Thomas Ruff verwendet wurden. Texte von Alexandre Quoi, Kurator der Ausstellung. Preis: 29 Euro.

17 FOTOSERIEN

ETWA 100 WERKE

RETROSPEKTIVE THOMAS RUFF

GESCHICHTE DER FOTOGRAFIE

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