Diese Ausstellung der Kollektionen des MAMC+ offenbart die kürzlich erfolgte außergewöhnliche Schenkung – über 180 Werke und an die fünfzig Editionen – von Liliane und Michel Durand-Dessert, Galeristen und leidenschaftliche, hochgebildete, berühmte Sammler, die von 1975 bis 2004 in Paris tätig waren. Auf 1000 m² hängt nun der Großteil der neuen Werke und steht mit dem reichen Fonds des Museums, der der beispielhaften Auswahl des Paares entspricht, im Dialog.

Diese Schenkung ist eine großartige Bereicherung der Kollektionen und ein neues bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Schenkungen, die dem MAMC+ von Sammlern zugesprochen wurden, wie derjenigen von Vicky Rémy oder Ninon und François Robelin in den 1990ger Jahren. Mit dieser großzügigen Geste bestätigt das Paar Durand-Dessert seine Verbundenheit mit einem Museum, dem es schon früher ein Bild von Gerhard Richter (Schädel, 1983) und eine Skulptur von Luciano Fabro (Occhio di Dio – Gottes Auge, 1969) vermacht hatte, zwei Meisterwerke, die die Ausstellung sozusagen eröffnen. Ihr Vertrauen geht noch weiter, die Schenkung beinhaltet auch ein Archiv zur Geschichte der Galerie, sowie zahlreiche Künstlerbücher, die von ihrer anfänglichen Tätigkeit als Verleger unter dem Namen Multiplicata zeugen. 

Mit visionärem Engagement hat sich das Paar Durand-Dessert einige Jahrzehnte lang für einen bedeutenden Teil der zeitgenössischen Kunst eingesetzt, und das mit einem vor allem europäischen Ansatz. So haben sie der deutschen Szene eine frühzeitige und tatkräftige Unterstützung entgegengebracht (Beuys, Richter, Rückriem…), aber auch der englischen (Hilliard, Flanagan, Tremlett…) und italienischen (Boetti, Kounellis, Merz…), ohne die französische Kunst zu vernachlässigen (Lavier, Tatah, Garouste…). Ihr scharfer und besonderer Blick auf die Kunst ihrer Zeit hat ihnen erlaubt, eine großartige, so offene wie anspruchsvolle Sammlung anzulegen. Zahlreiche Künstler, die sie vertreten haben, werden im MAMC+ aufbewahrt, und bestimmte Werke des Museums wurden regelmäßig in der Galerie erworben. Heute ergänzt ihre weitreichende Schenkung diese Ankäufe zu Werken von Cadere, Burgin, Morellet, Rutault oder Verjux, hinzukommen Künstler, die bisher noch nicht im Museum präsent waren: Brauntuch, Hilliard, Paolini, Wegman… 

In neun Räumen, von denen jeder unter der Schirmherrschaft einer der neun Musen der griechischen Mythologie steht, zeigt die Ausstellung sich kreuzende Aspekte diverser Kunstbewegungen und etwa fünfzig Künstler, von der Arte Povera bis zur plastischen Fotografie, über die konzeptuelle Kunst und die radikale Abstraktion. Diese Auswahl an Werken bemüht sich um verschiedene Disziplinen (Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Zeichnung und Grafik, Buch und Mail Art), die vielfach über die Figur des Doppels miteinander in Verbindung gebracht werden, und veranschaulicht eine aufschlussreiche Bilanz über die Kunst ab den 1960er Jahren bis in die 1990ger Jahre.  

Im Mittelpunkt der Ausstellung gibt es einen Raum, der einer anderen großen Leidenschaft der Durand-Desserts gewidmet ist, nämlich ethnographischen Objekten, die sie seit den 1980er Jahren gesammelt haben. Das MAMC+ stellt nun in einer Sonderausstellung, einer Hommage an die Offenheit der beiden Sammler, fünfundvierzig präkolumbianische Kunstwerke aus, die bislang unbekannt waren. Diese Werke wurden mit sicherem ästhetischem Geschmack und tiefgehender Kenntnis ausgewählt und sind eine Hymne an die Kunst der Olmeken.

Schließlich verlängern zwei Räume die Ausstellung, mit einem Fokus auf die fotografischen Sammlungen des Museums. Der erste behandelt Fotografie von Unbekannten und Laien, wie sie Künstler wie Christian Boltanski, Hans-Peter Feldmann und Sigmar Polke hinterfragen. Der zweite beinhaltet eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Objektivität und stellt den Franzosen Patrick Tosani Vertretern der Düsseldorfer Schule gegenüber.

Kurator

Alexandre Quoi
Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des MAMC+

KÜNSTLER DER AUSSTELLUNG

(Schenkung)
Carel Balth, Joseph Beuys, Alighiero Boetti, Christian Boltanski, Troy Brauntuch, Marcel Broodthaers, Victor Burgin, André Cadere, Alan Charlton, Gérard Collin-Thiébaut, Hanne Darboven, Luciano Fabro, Helmut Federle, Hans-Peter Feldmann, Barry Flanagan, Gérard Garouste, John Hilliard, Jannis Kounellis, Bertrand Lavier, Lefevre Jean-Claude, Jean Le Gac, Mario Merz, Annette Messager, Jacques Monory, François Morellet, Yves Oppenheim, Giulio Paolini, Michel Parmentier, Pino Pascali, Michelangelo Pistoletto, Bernard Rancillac, Gerhard Richter, Ulrich Rückriem, Claude Rutault, Fred Sandback, Djamel Tatah, Patrick Tosani, David Tremlett, Lee Ufan, Ger van Elk, Michel Verjux, Jan Vercruysse, Andy Warhol, William Wegman, …

KATALOG

Präkolumbianische Kunst, Sammlung Liliane und Michel Durand-Dessert. 
Liliane und Michel Durand-Dessert sind seit den frühen 1980er Jahren auch kluge und leidenschaftliche Sammler ethnografischer Objekte, insbesondere präkolumbianischer Kunst. Das MAMC+ stellt fünfundvierzig Werke in einer Dossierausstellung vor, die die Neugier der beiden Sammler würdigt. Mitherausgegeben von Couleurs Contemporaines, französische Ausgabe. Preis: 30 Euro.

KATALOG

Doppel-Ich. Schenkung Durand Dessert & Sammlungen MAMC+.
Der zweite Band der Collections Collection, das Buch "Double Je. Donation Durand Dessert & Collections MAMC+" das Abenteuer der Galerie Durand-Dessert und die Bedeutung der Schenkung des Sammlerpaares an das MAMC+ nach. Mitherausgegeben von Fabelio, französische Ausgabe. Preis: 20 Euro.
Erschienen: Frühjahr 2022.

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